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[Rezension:“Wenn du mich brauchst“ by Jana Frey]

Broschiert

Wenn du mich brauchst

Jana Frey
ARENA Verlag
365 Seiten
ISBN: 978-3-401-50462-9
€ 9,99 – 15,99

„Aber bei mir war das alles über Nacht gekommen. Über mich hereingebrochen. Meine Familie war mein Terrain gewesen. Meine Sicherheit. Und jetzt hatte ich irgendwie plötzlich den Boden unter den Füßen verloren …“

Manchmal fühlt Sky sich, als ob sie im falschen Leben aufwacht. Ihr Leben: Das ist im Moment ihre verrückte Mutter Rosie, die in ihrem windschiefen Haus in Südhollywood über sich und ihre Probleme meditiert. Das ihr melancholischer Bruder Moon, der nur seinen Olivenbaum und seine Gedichte liebt.Und da ist Gershon, der Junge mit der hohen Stirn und den großen Augen, der so anders ist
als alle, die Sky bisher kennengelernt hat. Doch dann wirbelt ein Schicksalsschlag Skys Leben auf einmal durcheinander. Hannahs kleiner Bruder braucht dringend eine Knochenmarktransplantation. Und plötzlich steht sie vor Entscheidungen, die alles aber auch alles ändern werden.

Erster Satz:

Die Sonne war untergegangen.

Ein umwerfendes Buch, eine tolle Geschichte und die unterschiedlichsten Charaktere die einem unter die Haut gehen. Dies sind meine ersten Gedanken wenn ich an dieses Buch denke.

Zwei Familien, zwei Welten, die unterschiedlicher nicht sein könnten und ein Schicksalsschlag der eben diese Familien zusammenführt.

Erzählt wird hier die Geschichte von Sky, Tochter zweier Hippies und Hannah, einer Jüdin. Mitten in Los Angeles führen die beiden 17 jährigen Mädchen ihr eigenes Leben. Während Sky geradezu Narrenfreiheit hat, hat sich Hannah natürlich auch an jüdische Regeln zu halten. Wie es in Familien so ist gibt es auch Ungereimtheiten, aber ein einziger Schicksalsschlag lässt eben diese vergessen und die Familien halten zusammen.

Auf den ersten Seiten des Buches befindet man sich völlig im Unklaren, aber dann kommt die Wahrheit ans Licht und verändert das Leben von so einigen Familienmitgliedern. Man erlebt mit wie jedes einzelne Mitglied der Familie damit zurechtkommt. Die Frage „Wie konnte das passieren“, „Ist das ein Scherz“ ist Dauerthema – ebenso die Frage „Was wird sich jetzt ändern“. Ich habe ständig mitgefiebert und konnte es nicht erwarten was als nächstes passiert.

Die Charaktere, allen voran natürlich Sky und Hannah, sind mir so ans Herz gewachsen, mit all ihrem Gefühlschaos, den manchmal chaotischen Familien. Sky, die mit Moon einen ganz besonderen Bruder an ihrer Seite hat. Es ist ihnen anzumerken das zwischen den beiden eine ganz besondere Verbindung herrscht. Zusammen mit ihrer Mutter leben sie in einem heruntergekommenen Haus. Sie lernt Gershon kennen, einen Jungen der vorübergehend auf ihrer Schule ist.

And the cat’s in the cradle and the silver spoon,
Little boy blue and the man
in the moon.
„When you coming home, dad?“
„I don’t know when,But we’ll get
together then.
You know we’ll have a good time then.“

Hannah hat zwei Brüder, den kleinen Jonathan und ihren großen Bruder David. Zusammen mit ihren Eltern und ihrer Urgroßmutter Esther wohnen sie einem noblem Stadtteil. Esther ist eine Frau die damals ins KZ-Lager geschafft wurde. Nachdem sie geflohen ist wanderte sie in die USA aus. Genau diese Zeit hat sie nie vergessen und trägt noch immer ein enormes Geheimnis mit sich herum das erst im späteren Verlauf preisgegeben wird. Gerade diese Zeit hat mich tief berührt. Wir erleben mit, wie Ester geschnappt wurde und wen sie verloren hat.

Als ich mit diesem Buch anfing habe ich nicht damit gerechnet das es sich auch um deutsche Geschichte handelt. Wie damals mit den Juden umgegangen wurde, aber auch wie es in der heutigen Zeit ist. Bei manchen Textstellen kamen mir die Tränen, weil allein die Vorstellung das selbst da nicht von Kindern und Erwachsenen unterschieden wurde. Aber um alle zu beruhigen die nicht so gerne über dieses Thema lesen: Es ist ein Teil dieser Geschichte, sie nimmt aber, zusammengezählt, nur einen kleinen Teil ein.

Das Ende ist zufriedenstellend auch wenn ich mir einen etwas anderen Ausgang gewünscht habe, zwecks Moon. Denn gerade er ist mir von allen männlichen Charakteren am sympathischsten gewesen. Es ist einfach anders, er schreibt Gedichte, ist lieber für sich, kann kein gutes Verhältnis zu seinem Vater – einzig Sky gegenüber wird offener und zeigt sich von einer anderen Seite. Es hatte mit der Hiobsbotschaft am meisten zu kämpfen, seine komplette Gefühlswelt wurde auf den Kopf gestellt.

Ich hatte ja immer noch die Hoffnung das es mindestens in Bezug auf Moon eine Fortsetzung geben wird, da gerade seine weitere Geschichte mich interessiert, aber des ist nicht so – Schade schade.

Fazit:

Ein großartiges Drama, das berührt und zum Nachdenken anregt.

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